Lebenslicht in einer traurigen Welt
Dienstag, November 16, 2010 9:19Es war September und es war warm, sehr warm sogar. Wolkenloser Himmel, eine völlig Sternenklare Nacht, doch in meinem Herzen sah es anders aus. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Liebe, auf dieser Welt, dann wäre alles viel besser und niemand müsste jemals wieder völlig alleine sein. Ich frage mich schon so lange, was aus dieser Welt werden soll. Wenn ich in die leeren Augen meiner Mitmenschen blicke, die traurigen Gesichter der Kinder sehe, dann wird mir bewusst, in welch kurzer Zeit sich die Welt so extrem verändert hat. So in Gedanken, ziehe ich durch die kleinen Gassen meiner Stadt.
Nachdem ich an den üblichen Schaufenstern vorbei gegangen bin, die ich seit meiner Kindheit kenne, bog ich in eine Gasse, die dunkler nicht hätte sein können. Die Häuser stehen dicht aneinander, dass einzige, was sie voneinander trennt, sind die Zugänge zu den Hinterhöfen. Es gab keine Beleuchtung und um diese Zeit, sind alle Lichter längst erloschen. Hier, genau am Anfang dieses Weges, gab es einen Stein, auf dem ich manchmal viele Stunden sitze, einfach nur um in die Sterne zu schauen, oder in Ruhe über diese Welt nachzudenken.
Ein Licht am Ende der Gasse
Ob ich diesen Weg bewusst, oder unbewusst eingeschlagen habe, kann ich nicht mehr sagen, doch das nächste was mir passierte, war eindeutig ein Wink des Himmels. Am Ende der Gasse sah ich ein kleines Licht. Nichts Besonderes eigentlich, aber für mich wirkte es so anziehend, so faszinierend. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand im Hochsommer einen Schokoladenweihnachtsmann in den Stiefel gelegt. Schritt für Schritt setzte ich meinen Weg fort, mit diesem einen Ziel, das Ende der Gasse zu erreichen. Neugierig war ich nie, doch es war sehr verwunderlich, dass man um diese Zeit, in dieser Gasse noch ein Licht zu sehen bekommt.
Plötzlich sah ich, woher dieses Licht kam. Ich stand vor dem winzigen Fenster einer Kunstgalerie. Gedämpftes Licht schien durch das staubige Fensterglas und das einzige was ich erkennen konnte, war ein wunderschönes Bild. Auf einer prachtvollen Blumenwiese spielten scheinbar Kinder, doch für mich waren es keine Kinder, für mich waren es Engel. Alle hatten bunte Blumenkränze aufgesetzt und ganz lange, weiße Kleider an. Manche saßen, andere liefen, oder spielten miteinander. Kleine, blonde Engel.
Eine seltsame Begegnung
Als ich so einen Moment vor diesem Fenster stand und dieses faszinierende Bild betrachtete, öffnete sich plötzlich die Tür und eine alte Dame schaute heraus. Freundlich erklärte ich ihr den Grund für mein verharren und sie bot mir sogleich an, doch noch für eine Tasse Tee zu bleiben.
Dieses Angebot nahm ich natürlich sehr gerne an und wir erzählten, als würde es kein Morgen mehr geben. Ihre vertraute Stimme, ihre liebevolle Art und diese scheinbare Sorglosigkeit, gaben mir immer mehr das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen.
Es war wie ein nach Hause kommen, von einer langen, anstrengenden Reise. Tief in mir hatte ich die Hoffnung, sie würde genauso Empfinden wie ich. Auf einmal riss uns ein lauter Knall aus unserem Gespräch. Ich sprang sofort zum Fenster um zu sehen, wo dieser herkam. Die Dame schaute mich entsetzt und mit großen Augen an, mir fiel auf, dass ich noch nicht einmal ihren Namen kannte. Ich ging zur Tür um nachzusehen, was dieses schreckliche Geräusch verursacht haben könnte. Langsam öffnete ich sie, meine Knie bebten vor Angst und meine Hände zitterten wie verrückt.
Glück gehabt
Als ich die Ursache des Knalls vor mir sah, wusste ich nicht, ob ich lachen, oder weinen sollte. Dort vorne, ganz am Anfang der Gasse, wo mein Stein ist, oder war, ist von dem alten Haus, gleich daneben, das Dach abgerutscht. Die ganze Gasse lag voller Dachziegel und hätte dieses Licht, in diesem Fenster, wo ich jetzt wahrhaftig stehe, mich nicht davon abgehalten, wie immer auf diesem Stein sitzen zu bleiben, wäre ich jetzt vermutlich tot.
So wurde mir nicht nur das Leben gerettet, sondern ich habe auch noch einen Menschen gefunden, der mir näher ist, als irgendjemand sonst auf dieser Welt.