Ich möchte einen Hund haben

Dienstag, Februar 15, 2011 14:20
Veröffentlicht in Erinnerungen

Schon als Kind war ich vernarrt in Tiere. Alles was kreucht und fleucht, musste gestreichelt und umsorgt werden. In meiner Familie halten sich hartnäckig Gerüchte, in denen ich als Dreijährige ein kleines Entenküken fast zu Tode geschmust hätte. Also ich glaube hier wird stark übertrieben. Der Wunsch nach einem Haustier keimte schon früh in mir und wurde mir von meinen Eltern hartnäckig ausgeredet. Als heranwachsendes pubertierendes Frauenzimmer, wurden plötzlich ganz andere Dinge wichtig und der Wunsch nach einem Hund verschwand in den Tiefen meiner Tierliebe. Es brauchte einige Jahre um wieder auf den Hund zu kommen.

Mein erster Hund

Der erste Vierbeiner kam ganz unverhofft von Freunden. Die wiederum wollten den kleinen Wüterich wohl nicht mehr. Ich hab nie wieder einen Hund kennengelernt der so leidenschaftlich wütend war. Schlumps, so hieß der kleine Zwerg, sah aus wie ein niedlicher weißer Plüschhund. Mit seinen schwarzen Knopfaugen hatte er schnell unsere Sympathien. Leider war der Stepke eine kleine Kampfmaschine und hat grundsätzlich erst mal alle und jeden gebissen. Zum Glück war Schlumpf nicht größer als ein Schuhkarton und der Schaden hielt sich in Grenzen. Wir konnten dem Kleinen noch ein paar schöne Monate schenken, ehe er starb.

Mein Hund ist tot – sofort einen neuen!

Spätestens da war klar, es muss wieder ein Hund her. Natürlich wieder so ein süßer kleiner Bursche. In einer Zeitschrift sah ich das Bild eines ähnlichen Hundes, der dringend eine neues zu Hause sucht. Schnell wurde uns klar, wir müssen in dieses Tierheim. Das Tierheim lag nicht gerade um die Ecke, aber die 250 km nahm ich gern in Kauf. Dort angekommen, sagte man mir dass der Hund schon lange weg wäre. Na prima! Ich war ziemlich enttäuscht. Aber da wäre noch ein anderer Hund, den könnten wir haben. Der war ein typisches Weihnachtsgeschenk und kam gleich nach den Feiertagen ins Tierheim.

Ein Hund aus dem Tierheim

Seine Besitzer hatten nämlich schnell gemerkt dass so ein Tier nicht nur Freude sondern auch Arbeit macht. Nun gut, ich wollte nicht unhöflich sein, meinte aber vorbeugend, dass ich eigentlich keine Cocker Spaniel möchte. Dann kam Joschi ins Büro. Joschi hieß damals noch Cocki und war ein bildhübscher roter Cocker Spaniel. Zielsicher watschelt er auf mich zu und um mein Herz vollführter eine Sprung. Freundlich begrüßte er jeden im Raum und schnüffelte interessiert an allem was er fand. Wenig später rollten wir mit dem Tier vom Hof. Der Hund winselte während der ganzen Fahrt und sah nicht besonders glücklich aus. Zu Hause angekommen, stürmte er ins Wohnzimmer und verkroch sich unter der Couch.

Ein neuer Name für meinen Hund

Meine anfängliche Begeisterung schwand und mein Versuch in die Leine anzulegen war eher eine Katastrophe. Er stemmte sich mit allen vier Pfoten in den Teppich. Unser aller erster Spaziergang sah für Außenstehende sicher ungemein lustig aus. Kompromisslos stur stemmte der Cocker seine Pfoten in den Boden. Nicht auf der Welt hätte ihn dazu gebracht mir zu folgen. Zu der Zeit wusste ich noch nichts von der typischen Sturheit dieser Rasse. Es dauerte allerdings nicht lange und wir beide wurden die dicksten Freunde. Den Namen Cocki fanden wir ziemlich unpassend und so wurde aus Cocki unser Joschi. Das Tier war das liebste und treuste Wesen in meine Leben. Manchmal saß er neben mir auf der Couch und sah mich mit seinen großen brauen Augen an. Einem Cockerblick kann niemand wiederstehen und so durfte der „ feine Herr „ so ziemlich alles. Joschi war eine richtige Persönlichkeit und grundsätzlich nur Dinge getan die er auch wollte. Als ich schwanger wurde legte er oft ganz vorsichtig seine Pfote auf meinen Bauch. Seine ganze Hundeliebe war vorbehaltlos auf mich und meine Familie gerichtet. Als er noch vielen Jahren krank wurde, war mir bewusst dass jetzt wohl der gefürchtete Moment gekommen war. Er ging still und leise von uns so wie es seine Art war. Noch heute schmerzt der Verlust und wir erzählen immer noch Joschigeschichten.

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