Zu schnell gefahren und die Folgen

Montag, Januar 10, 2011 20:52
Veröffentlicht in dumm gelaufen

Es ist nun fast genau zwei Jahre her. Die Sonne strahlte, das Wetter lud zum Gute-Laune-Haben ein, und ich hatte es mal wieder besonders eilig. Zwischen zwei Einkäufen, drei Kundenterminen und einigen Besorgungen für meine Mutter wollte ich die Gunst der halben freien Stunde für einen kurzen Friseurbesuch nutzen. Der beste aller Ehemänner, also meiner, hatte versprochen in meiner Abwesenheit “Hundedienst” zu machen. Wir haben drei, von daher würde keine Langeweile aufkommen. Dennoch, ich fuhr die Landstraße dem Ziel des Friseurladens etwas zu schnell entgegen, und genau am Ortseingangsschild winkte eine hinterlistige Kelle mich rechts ran.

Zu schnell gefahren

Was die Dame in blauer Polizeiuniform mir offenbarte konnte ich kaum glauben. War ich innerhalb der letzten fünf Minuten etwa zum Rennfahrer mutiert? Die wollte mir wahrhaftig weismachen, dass ich anstatt der erlaubten 70 km/h satte 35 Kilometerchen mehr auf dem Tacho gehabt hätte! “Exakte Lasermessung”, blockte sie gleich alle Erklärungsversuche meinerseits ab.

Punkte in Flensburg

Stattdessen belehrte sie mich kurz und knapp über das Wesentliche. Eine Bußgeldforderung von ungefähr 180 Euro würde mir bald ins Haus flattern, zwei Pünktchen würde es geben und einen Monat innerhalb des nächsten halben Jahres könnte ich mir aussuchen, um meinen Führerschein abzugeben. Ich wollte der Dame erst noch sagen, dass ich bereits die Payback-Punkte sammle und auf weitere Teilnahmen an irgendwelchen Punkteaktionen verzichten möchte, aber sie hätte es wohl nicht verstanden. Ich flötete dem besten aller Ehemänner, also meinem, die frohe Botschaft bereits auf dem Nachhauseweg übers Handy ins Ohr. Da er zuerst dachte, ich hätte einen Unfall fabriziert, nahm er dann das wirkliche Ereignis fürs Erste ziemlich gelassen…

Führerschein abgeben

Den schweren Gang der Führerscheinabgabe traten wir gemeinschaftlich an. Ich, voller Trauer, meine heißgeliebte Fahrerlaubnis beim Amt hinterlegen zu müssen, und er, sichtlich beunruhigt, da ihm wohl mittlerweile das Ausmaß der Katastrophe klar geworden war. Der Amtsmensch war mit den erforderlichen Formalitäten für solch eine Sache sichtlich überfordert, und erst eine halbe Stunde später war alles bearbeitet. Am Schalter hatte sich zwischenzeitlich eine Menschenschlange gebildet. Die meisten Wartenden hatten natürlich alles mitbekommen, und somit verließ ich als geouteter Verkehrssünder erster Klasse das Amt.

Eine Frau als Beifahrer

Dass meine Ehe dann die nächsten vier Wochen überstanden hat, grenzt an ein Wunder. Mehrmals bekam ich absolutes Redeverbot erteilt während der Autofahrt. Öfter gab es Drohungen seitens des Steuermanns, einige davon sehr massiver Natur. So warnte er mich bei einer dieser lauschigen Touren, wenn ich noch einen einzigen Kommentar zu seinem Fahrstil abgeben würde, bekäme ich durch die geöffnete Beifahrertür mehr frische Luft als mir lieb sei. Zu Fuß wollte er mich weiterlaufen lassen, ein Mal sogar mitten auf der Autobahn. Erst als ich ihm zu bedenken gab, ich würde doch niemals als Fußgänger die Mindestgeschwindigkeit von 80km/h erreichen, ließ er sich umstimmen. Vier Wochen lang hatte unser Auto zwei Fahrer. Ich bremste und lenkte mit, ich schrie Warnungen in sein Ohr: “Halt, Stopp, pass doch auf, der überholt gleich. Bremsen, so brems doch, guck doch mal, die alte Oma, fast hättest du sie übern Haufen gefahren. Achtung, Ampel springt gleich um. Grüüüün, kannst fahren. Stopp. Stopp jetzt!“ In Schweiß gebadet endete für uns beide jede Fahrt. Bald sehnte er den Tag der Führerscheinrückgabe mehr herbei als ich, so war zumindest mein Eindruck.

Da kann man nur graue Haare bekommen

Einen Abend in diesen unglückseligen vier Wochen waren wir eingeladen. Endlich durfte ICH mal ein paar Gläschen trinken! Nach einigen Viertelliterchen Rotwein war ich ruhig, relaxt und überaus friedlich gestimmt. Während dieser Heimfahrt hatte ich Null-Komma-Nix zu meckern. “Schön, dass du heute gefahren bist, konnte ich mir auch mal ein Gläschen genehmigen“, flötete ich ihm leicht lallend in den Gehörgang. Im Nachhinein meine ich, er wäre in diesen vier Wochen ein wenig grauer geworden…

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